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Weinbau-Info Nr. 03-2020

Bezirksimkerverein Villingen e. V.
Veröffentlicht von in Info · 27 März 2020
Weinbau Tuniberg – Bodensee

Weinbauinfo Nr. 3 vom 26.03.2020

Allgemeiner Entwicklungsstand

Kalte Nächte lassen weite Bereiche von Wein – und Obstbau zittern. Regional ist einiges an Obst erfroren.
Bisher ist das Beratungsgebiet gut davongekommen, wenigstens was den Weinbau betrifft. Die tiefsten
Temperaturen liegen um - 3° C, nur vereinzelte Werte liegen kurz tiefer. Da der Entwicklungsstand
Wollestadium in der grossen Fläche noch nicht erreicht ist und nur Sorten wie Chardonnay, teilweise
Junganlagen und sehr geschützte Lagen Knospenaufbruch zeigen, haben wir kaum empfindliche Stadien
vorliegen, die bei diesen Temperaturen gefährdet sind. Die kühle Phase soll mit einer Unterbrechung über das
Wochenende in der nächsten Woche noch anhalten. Ebenso soll es etwas Niederschlag geben. Dieser wäre
kein Fehler. Zwar werden feuchte Böden gemeldet, aber die Niederschläge insgesamt sind in Südbaden weit
unter Soll. Die vorangegangene Wärme und jetzt die trockenen kalten Winde zehren. Mit zunehmenden
Wachstum steigt die Verdunstung und der Verbrauch für den Massenaufbau. Ansonsten hat Covid 19 „Corona“
das Land voll im Griff. Es gibt viele positive Initiativen und Hilfsbereitschaft. Die Lage bleibt aber angespannt, da
Erntehelfer aus Rumänien nicht mehr einreisen dürfen.
Zu den tierischen Schädlingen
Die Ausbringung der Pheromone am Tuniberg und Glottertal verläuft diszipliniert und verantwortungsbewusst.
Es haben sich etliche Helfer gemeldet, die Bitte um Unterstützung war sehr erfolgreich. Auch wenn die
derzeitige Abkühlung den Flugbeginn etwas verzögert, so ist die Temperatursumme im Oberrheingraben für den
Flugbeginn oft erreicht. Für den Bodenseeraum wird der Termin bis spätestens 8. April aufrechterhalten. Bei den
Schadmilben sind besonders die Junganlagen bis zum dritten Standjahr oft von Befall mit Kräuselmilben
betroffen. Die Standardbehandlung mit Schwefel und Öl nach der Temperatursumme 300 zeichnet sich unter
den derzeitigen Wetterbedingungen auf die Woche vor Ostern ab, im Bodenseeraum nach Ostern. Die
kommende Woche soll kühl ausfallen, die Temperatursumme zur Auswanderung wird im Laufe der nächsten
Woche wohl erreicht werden. Zur Auswanderung brauchen wir aber eine deutliche Erwärmung. Sobald die
Knospen schwellen, werden Rhompenspanner und Erdraupen aktiv. Bevorzugt empfohlen wir das Absammeln.
Weinbauliche Hinweise
Die Ausbringung der Grundnährstoffe Phosphor, Kalium und Magnesium sollte nur auf der Basis einer
Bodenuntersuchung erfolgen, wobei die Düngung mit Magnesium später mit Stickstoff erfolgen sollte. Beachten
Sie die Anforderungen der neuen Düngeverordnung. Unter www.wbi-bw.de im Menüpunkt Fachinfo finden Sie
Informationen und Vorlagen zu ihrer Verwendung. Im Beratungsgebiet gibt es keine wesentlichen Änderungen,
da keine Grundwasserkörper im schlechten Zustand für Nitrat (rote Gebiete) ausgewiesen sind. Denken Sie an
die Berechnung der Nährstoffvergleiche bis Ende März, sofern Sie über 50 kg / ha Stickstoff und / oder 30 kg /
ha Phosphor gedüngt haben. Hier gibt es eine Erleichterung: die Vergleichsberechnung muss erst ab 3 ha
Sonderkulturen ohne Obstbau vorliegen. Vergessen Sie nicht den Termin zur Spritzgerätekontrolle. Die Termine
der regionalen Prüfbetriebe sind der Fachpresse zu entnehmen.
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Wer im Unterstockbereich mit Scheiben oder Rollhacke arbeitet, hat höchste Eisenbahn, die notwendigen
Arbeiten zu beginnen. Die aktuelle Wetterlage bietet sehr gute Arbeitsbedingungen. Zu hoher Beikrautbewuchs
mit hohem Grasanteil führt zu unbefriedigenden Arbeitsergebnissen von Anfang an. Sehr gute Bedingungen
liegen auch für den Umbruch von Begrünungen für die Vorbereitung einer nachfolgenden Einsaat, z.B. der Wolf
– Mischung, vor.
Sonstige Hinweise
Zur Lage bei den Pflanzenschutz - Zulassungen:
Die Neuzugänge sind: Enervin F. Enervin F ist ein Kombinationsprodukt von Enervin SC, Zulassung für Kelter –
und Tafeltrauben und Folpet als Vinicol SC mit Zulassung nur für Keltertrauben mit maximal 2 Einsätzen.
Anwender freundlich ist die Abstimmung der beiden flüssigen Mittel. Die gleiche Menge beinhaltet den jeweiligen
notwendigen Wirkstoffaufwand.
Prosper Tec ist das Nachfolgeprodukt des einstigen Prosper, Wirkstoff Spiroxamine, Wirkstoffgruppe H. Die
Formulierung ist CS, was eine flüssige Formulierung aus verkapseltem Wirkstoff bedeutet. Das Mittel ist mit
einer Begrenzung der Aufwandmenge belegt, was bedeutet, dass es mit max. 300 g / ha in einer Anwendung,
max. 600 g / ha im Jahr verwendet werden darf. Daraus resultieren 2 Anwendungen. Sofern das Produkt Luna
Max Anwendung findet, ist es nur eine. Zulassung für Keltertrauben.
Kenja ist ein neues Botrytismittel mit dem Wirkstoff Isofetamid. Das Mittel gehört zur Gruppe der SDHI – Mittel,
Wirkstoffgruppe L. Dies macht einen überlegten Einsatz notwendig. Zur Gruppe gehören das Botrytismittel
Cantus und die Oidiummittel Luna Experience, Luns Max, Sercadis und Collis. Da diese Wirkstoffgruppe nur
zweimal in der Saison aus Resistenzgründen eingesetzt werden darf, gibt es drei Möglichkeiten: 2 x Oidium oder
2 x Botrytis, falls erforderlich, oder 1 x Odium und 1 x Botrytis, sofern die Wirkstoffgruppe voll ausgeschöpft wird.
Eine Zulassungserleichterung, aber mit Beschränkung, gibt es bei Folpet beim Einsatz in Tafeltrauben. Der
Wirkstoff Folpet erhielt eine Zulassung in Tafeltrauben für die Mittel Folpet 80 WDG und Zorvec Zelavin Bria. Die
Anwendung ist auf vier Einsätze Folpet beschränkt und hat eine Wartezeit von 56 Tagen. Die Beschränkung von
Zorvec Zelavin Bria auf 2 Anwendungen ist zusätzlich zu beachten.
Neu sind zwei Kupfermittel: Airone SC und Coprantol Duo. Beide Mittel sind eine Mischung aus den Wirkstoffen
Kupferoxychlorid und Kupferhydroxid.
Es wurden mit Serenade ASO und Taegro Biomittel gegen Botrytis zugelassen. Tasten Sie sich ran und
beachten Sie unbedingt die jeweiligen Produktbesonderheiten.
Das Insektizid Steward hat eine Rückstufung von B4 auf B1 erhalten. Hier sind zukünftig generell die Auflagen
für Bienen gefährliche Mittel zu beachten, auch wenn diese auf älteren Packungen noch nicht ausgewiesen sind.
Ausgelaufen sind und haben Anwendungsverbot: das Oidiummittel Vento Power, das Peronosporamittel Dithane
Neo Tec, die Herbizide U 46 M-fluid und Kerb 50 W.
Zahlreiche Mittel haben Zulassungsverlängerungen, die den Einsatz dieses Jahr abdecken.
Jahr für Jahr sorgen Beanstandungen von Trauben aus dem Direktverkauf für Meldungen, bei denen Wirkstoffe
ausserhalb der Tafeltraubenzulassung gefunden werden. Für die betroffenen Betriebe ist dies teuer, aber
vermeidbar. Bitte beachten Sie die veröffentlichten Hinweise und Zulassungslisten. Für diese und andere Fragen
werden die Sonderhinweise Rebschutz aus dem Märzheft des Badischen Winzers gerne und besonders
empfohlen.
Zum Herbizideinsatz weiterhin die schön geschriebene „Hebelchenempfehlung“ von Kollegen Neumann:
Der räumliche Anwendungsbereich von Herbiziden ist auf das unbedingt notwendige Maß zu begrenzen. Es
dürfen nur landwirtschaftlich, gartenbaulich oder forstwirtschaftlich genutzte Flächen behandelt werden. Am
Zeilenende, also unmittelbar nach dem Anker, muss das „Hebelchen“ auf „Aus“ gestellt werden. Eine
Behandlung auf öffentlichem Gelände und auf nicht landwirtschaftlich genutzten Flächen, wie z.B. am Wegrand
oder an Böschungen, ist verboten. Halten Sie auch ausreichend Abstand zu ökologisch arbeitenden Betrieben.
Unsachgemäße Anwendung ist gesetzwidrig und schädigt gleichzeitig auch den Weinbau in seiner
Aussendarstellung!
Seitens des Landhandels wird darauf hingewiesen, dass es keine Lieferengpässe bei Pflanzenschutzmitteln gibt
und Hamsterkäufe nicht notwendig sind. Dass die Dithianon haltigen Mittel wie Delan und Delan Pro knapp sind,
ist schon länger bekannt.
Auf Grund der aktuellen Lage bei der Verfügbarkeit von Arbeitskräften werden Anpflanzungen zurückgestellt. Es
ist im Gespräch, dass es für eine Förderung nach Brache im kommenden Jahr keine Gelder gibt. Sofern die
Förderung erhalten bleibt, ist zwingend ein Sortenwechsel vorgeschrieben. Es gilt, abzuwägen.
Da Saisonarbeitskräfte fehlen, wird intensiv um Mithilfe aus dem Inland geworben. Ausgehend von Initiativen
des BLHV und des Maschinenringes Tettnang entwickelte sich eine inzwischen zusammengefasste Jobbörse
auf Bundesebene, eine sehr empfehlenswerte Plattform. Der Link lautet: www.daslandhilft.de .
Das nächste Weinbauinfo erfolgt am 02. April 2020.
Die gemachten Angaben gelten für den Vegetationsstand des Oberrheintales. Für den
Bodensee sind die gemachten Angaben an den örtlichen Vegetationsstand anzupassen.
gez.: Zuberer


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( zwischen Villingen und Mönchweiler)
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Bernd Möller
Waldau 4
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07725 2275 und 0171 348 10 15
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